Wednesday, November 22, 2006

SPITBOY - shirts









Zwei Shirts mit dem klassischen Spitboy Motiv, das sich auch auf dem LP Booklet befindet. Bin mir nicht mehr ganz sicher, aber beide wurden auf der damaligen Europatour verkauft, wobei das schwarze Shirt mit dem Backprint aus dem Hause Lookout kam (weitere Informationen nehme ich gerne entgegen).

Das Motiv - ich habe die Shirts tagtäglich als Teenager getragen - sorgte trotz der Schlichtheit damals bei Gleichaltrigen und Autoritäten, mit denen man konfrontiert wurde, für Reaktionen, die mich einerseits verletzten, andererseits aus einer, ich nenne das nun mal so, Punksicht der Dinge zufrieden stellten, und mit Sicherheit von der Band aus - und das zieht sich durch die Texte, das Layout oder gar das Fanzine von Adrienne (der Sängerin) - dies mit auslösen sollten.
Kritik an identitären Momenten von Punkuniformen oder allgemeiner Kleidungscodes von Jugendlichen usw.1 ist in vielen Punkten einfach berechtigt, aber die Wirkung die solch Kleinigkeiten erzielen können, verwundert mich immer wieder.2

Zurück zu Spitboy, einer Band, die mich zusammen mit Born Against, Struggle, Man Lifting Banner, Downcast, Econochrist, Age und Abolition3 sehr beeinflusst hat. Ihr wisst was ich meine: der End80er/Früh90er Polit HC, bei dem die Leute krampfhaft unter Beweis stellten, in keinster Weise witzig zu sein, aber mit vielem brachen, was - meiner Meinung nach - den Hardcore nach der großartigen Anfangsphase Anfang der 80er hat madig werden lassen (mit Ausnahme der Cro-Mags... hahahahaha): Sick Of It All, Biohazard, Niedergang von Grindcore und Noisecore, Muskelspielchen, Krishnas, Crustpunk, Rollins. Alleine Born Againsts Gaypornocartoonbildchen oder der Zynismus in punkto Tabakkonsum
oder eben Spitboys Offenheit und direkte Art (die sich vielleicht noch bei Tribe 8, anfangs Bikini Kill, Sleater Kinney und Team Dreach finden ließ) waren einfach der Stinkefinger in Richtung pumpender Metalheads.
Unter den Bemühungen dem Punk zwanghaft Inhalte aufzudrücken, musste oftmals auch die Qualität der Musik leiden, aber manches lässt sich heute noch ohne allzu große Kopfschmerzen lesen: Abolition (LP Booklet), Downcast und Age sind hier für mich absolute Positivbeispiele.
Auch auf Spitboy trifft dies zu, so finde ich heute nur noch die Seite auf der Split LP mit Los Crudos und die Songs auf der "Give me back" und "Sign Language" Compilation erträglich. In Verbindung mit den Texten, Essays, Fanzine, Interviews und dem Auftreten, gewinnt die Band jedoch wieder ein völlig anders Gewicht bei mir.

Links:
Spitboy (Ebullition)
Sptboy (Lookout)
http://www.myspace.com/spitboyband


Ein Livebildchen:




1 Positivbeispiele für mich wären jedoch hier z.B. die Swing Kids oder Adornos Ausführungen zur Bedeutung von Mode

2 Wer schon mal mit dem alten Zap Fanzine Shirt "Deutschland verrecke!" in einer Ö-Recht Vorlesung war, weiß welche schönen Momente gemeint sind. Mein Glück (oder Pech?), dass 8 Jahre früher wegen solchen Dingen, die Leute von einem Mob durch die Fußgängerzone gejagt wurden, und einfach für die Tatsache, eine distinkte Entität (im positiven Sinne) zu sein, zusammen geschlagen wurden; zu mindest in der Stadt, in der ich groß geworden bin, was vielleicht auch der Kreativität der Leute geschuldet war, denn ein Shirt mit aufgemalten Fadenkreuz auf dem Rücken und ein großes "Schieß doch Scheißbulle" würde sich selbst heute bei der Schwemme an Einkaufsmöglichkeiten für das Kriegchen der Identitätchen nicht verkaufen.
Lag nicht Felix Havoc mal zusammengeschlagen im Krankenhaus und das Einzige was in an der Situation freute, waren die Gesichter der Polizei aufgrund seinem selbstgemalten Millions Of Dead Cops Shirt?

3 sorry, ist halt so? All hail BB back then.

5 comments:

Flobreaker said...

Bez. Backprints bei SPITBOY-Shirts: in Dürkheim war es lange Mode, bei den Shirts Vor- und Rückseite zu vertauschen, also das Motiv auf dem Rücken zu haben...

Hirsinger Youth said...

Sicherlich nur Männer gewesen... mit Rucksäcken.

unkultur said...

In Bad Dürkheim war es auch mal Mode, Stagediver auf den Boden zu ziehen... aua ;)

Lakeside Smashism said...

Ja ja, das ZAP "Partisanen gegen Deutschland"-Shirt...was haben sich da immer die Leute angepisst gefühlt. Im tollen Friedrichshafen irgendwelche "alternativen" Jugendlichen, langhhaarig, NO FX shirts und nix kapiert. Oder die Onkelz-Metalprolls...sogar ein Türke wollt mir mal deswegen aufs Maul hauen. Warum bloss? Es hiess doch "DEUTSCHLAND verrecke"...

Robi_Wan said...

Ich habe das Spitboy Motiv ja tätowiert (mein allererstes Tattoo). Ich denke mal ich habe die selben Erfahrungen damit gemacht wie du mit dem Shirt. Damals habe ich noch bereitwillig die Bedeutung (für mich) erklärt und diskutiert. Heute bin ich dessen ehr überdrüssig wenn ich auf das Motiv angesprochen werden. Besonders bei Menschen die es meiner Meinung nach eh nicht kapieren / nachvollziehen können.
Tja man resigniert halt mit dem Alter....